Wie oft Inventur gemacht werden sollte, lässt sich klar beantworten: statt einer einzigen jährlichen Vollinventur empfiehlt sich eine rotierende zyklische Inventur — bei hochwertigen, schnell drehenden Produkten einmal im Monat, bei mittelpriorisierten Produkten einmal im Quartal und bei niedrigpriorisierten Produkten einmal im Jahr. Eine nur einmal im Jahr durchgeführte Vollinventur lässt die Abweichungen, die sich in den übrigen 11 Monaten aufbauen, vollständig unbemerkt; diese Abweichungen beginnen klein, wachsen aber unbemerkt und werden zum Jahresende zu einer großen Überraschung.
Was ist eine jährliche Vollinventur, und wozu dient sie?
Die jährliche Vollinventur bedeutet, alle Produkte eines Unternehmens an einem einzigen Termin, meist zum Geschäftsjahresende, vollständig zu zählen, um die grundsätzliche Übereinstimmung von Buchhaltung und physischem Bestand zu bestätigen. Diese Inventur findet meist statt, wenn das Geschäft geschlossen ist oder außerhalb der Öffnungszeiten, da das gleichzeitige Zählen aller Produkte Stunden oder in manchen Unternehmen sogar ein bis zwei Tage dauern kann.
Der Vorteil der jährlichen Vollinventur liegt darin, dass sie, ohne ein einziges Produkt auszulassen, ein verlässliches Gesamtbild der Bestandsgenauigkeit liefert; auch für Buchhaltung und Steuer ist diese offizielle Inventur meist vorgeschrieben. Der Nachteil ist, dass sich die Ursache einer während des Jahres entstandenen Abweichung im Nachhinein kaum noch feststellen lässt; wird ein im Januar entstandener Verlust erst bei der Inventur im Dezember bemerkt, ist die Ursache kaum noch zu finden.
Was ist eine zyklische Inventur, und wie wird sie durchgeführt?
Bei der zyklischen Inventur wird nicht der gesamte Bestand auf einmal gezählt, sondern Produktgruppen rotierend in kleinen Abschnitten fortlaufend erfasst; beispielsweise wird jede Woche ein anderer Teil des Bestands gezählt, sodass innerhalb weniger Monate jedes Produkt mindestens einmal erfasst wurde. Diese Methode lässt sich in den laufenden Betrieb einbauen, ohne das Geschäft schließen zu müssen.
Der größte Vorteil der zyklischen Inventur ist, dass sich die Ursache einer festgestellten Abweichung noch in einem Zeitraum untersuchen lässt, an den man sich erinnert; zeigt ein in der Vorwoche gezähltes Produkt eine Abweichung, lässt sich anhand der Verkaufs- und Wareneingangsbewegungen dieser Woche die Ursache finden. Nachdem ein Lebensmittelgeschäft begonnen hatte, wöchentlich eine Regalgruppe zyklisch zu zählen, wurden Abweichungen, die früher erst einmal im Jahr auffielen, nun innerhalb weniger Wochen erkannt — dadurch ließen sich Probleme wie Diebstahl oder Erfassungsfehler stoppen, bevor sie größer wurden.
Wie bestimmt die ABC-Analyse die Inventurhäufigkeit?
Die ABC-Analyse teilt Produkte nach Wert und Umschlagsgeschwindigkeit in drei Gruppen ein und wendet auf jede Gruppe eine eigene Zählhäufigkeit an; dieser Ansatz lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf die kritischsten Produkte, statt allen Produkten gleich viel Zeit zu widmen.
- A-Produkte: Produkte, die den Großteil des Umsatzes ausmachen oder einen hohen Stückwert haben; sie sollten monatlich gezählt werden, da eine Abweichung hier die größte finanzielle Wirkung hat.
- B-Produkte: Mittelwertige Produkte mit mittlerer Umschlagsgeschwindigkeit; eine vierteljährliche Zählung reicht in der Regel aus.
- C-Produkte: Niedrigwertige, langsam drehende Produkte oder solche mit wenigen Varianten; hier genügt meist ein- bis zweimal im Jahr.
Als eine Apotheke ihre hochpreisigen Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetikartikel der Gruppe A, mittelpreisige Medikamente der Gruppe B und niedrigwertige Verbrauchsmaterialien der Gruppe C zuordnete und danach ihren Inventurplan aufstellte, sank der Gesamtzeitaufwand für die Inventur, während sich die Erkennung von Abweichungen bei den kritischsten Produkten beschleunigte — ein konkreter Beleg für den Nutzen, die ABC-Logik auf die Inventurhäufigkeit anzuwenden.
Was sind die häufigsten Ursachen für Inventurdifferenzen?
Die häufigsten Ursachen für Inventurdifferenzen sind Erfassungsfehler, Diebstahl/Verlust, Verderb/Schwund und Zählfehler beim Wareneingang; zu verstehen, welche dieser vier Ursachen überwiegt, ist notwendig, um die Abweichung nicht nur zu schließen, sondern an der Wurzel zu beheben.
- Erfassungsfehler: Falsches Produkt oder falsche Menge bei Verkauf oder Wareneingang eingegeben; besonders häufig bei Systemen mit manueller Dateneingabe.
- Diebstahl und Verlust: Ladendiebstahl, Verlust durch Mitarbeitende oder auf dem Transportweg verlorene Ware; bei sich wiederholenden Abweichungen sollte diese Möglichkeit stets in Betracht gezogen werden.
- Verderb und Schwund: Abgelaufene, zerbrochene oder beschädigte Produkte, die nicht aus dem System ausgebucht werden; besonders verbreitet im Lebensmittel- und Kosmetikbereich.
- Wareneingangsfehler: Vom Lieferanten eingehende Ware wird falsch gezählt und mit einer falschen Menge im System erfasst; dieser Fehler lässt sich meist an der Quelle, also direkt beim Wareneingang, korrigieren.
Ein Bekleidungsgeschäft schob eine sich wiederholende Inventurdifferenz monatelang auf einen 'vermutlichen Erfassungsfehler', bis es nach der Umstellung auf zyklische Inventur bemerkte, dass sich die Abweichung auf einen bestimmten Bereich konzentrierte — ausgerechnet den, der im toten Winkel der Kamera lag; die eigentliche Ursache zu finden, brachte weit mehr als nur die Zahl zu korrigieren.
Warum erkennt konsequente Inventurdisziplin Verluste frühzeitig?
Konsequente Inventurdisziplin ist die wirksamste Methode, ein Problem zu erkennen, solange es noch klein ist, bevor es sich vergrößert; statt bei einer einzigen Jahresinventur eine Abweichung von 500 Stück zu entdecken, erkennt man bei wöchentlichen kleinen Zählungen Abweichungen von 10-20 Stück frühzeitig — das begrenzt sowohl den finanziellen Schaden als auch erleichtert es, die Ursache zu finden. Zwischen der Größe eines Problems und der Zeit bis zu seiner Entdeckung besteht ein direkter Zusammenhang: Je später es bemerkt wird, desto größer ist es bereits geworden.
Damit diese Disziplin dauerhaft funktioniert, muss die Inventur als natürlicher Teil des regulären Arbeitsablaufs verstanden werden, nicht als lästige Pflicht. Wird beispielsweise jeden Tag zügig ein bestimmter Regalbereich gezählt, ist das für die Mitarbeitenden eine überschaubare Belastung und erleichtert zugleich die Jahresvollinventur, da dann bereits die meisten Produkte im Laufe des Jahres mindestens einmal gezählt wurden.
Wie wird eine Inventur richtig durchgeführt?
Damit eine Inventur korrekt durchgeführt wird, muss zunächst geklärt werden, welche Produkte gezählt werden, der Verkauf während der Zählung gestoppt oder gesondert erfasst werden, und das Zählergebnis mit dem Systembestand verglichen werden. Werden diese Schritte übersprungen, wird die Inventur selbst unzuverlässig. Wie die Zählmethode Schritt für Schritt angewendet wird, beschreibt unser Beitrag Inventur durchführen im Detail.
Bei der zyklischen Inventur gilt dieselbe Sorgfalt — nur der Umfang ist kleiner. Auch bei der Zählung einer Regalgruppe sollte der Verkauf vorübergehend gestoppt oder währenddessen getätigte Verkäufe gesondert notiert werden, sonst kann ein während der Zählung stattfindender Verkauf wie eine falsche Abweichung erscheinen.
Braucht es in Saison- und Aktionszeiten eine zusätzliche Inventur?
Eine zusätzliche Inventur neben dem Standardplan ist in Saison- und Aktionszeiten wichtig, weil die Bestandsbewegung in diesen Phasen deutlich stärker ist als sonst; ein in dieser Zeit entstandener Erfassungsfehler oder Verlust kann eine viel größere finanzielle Wirkung haben als in einem gewöhnlichen Monat. Eine Zwischeninventur beim Saisonwechsel, während der die Ware der alten Saison abgeschlossen und der Übergang zur neuen vorbereitet wird, verschafft sowohl einen klaren Überblick über die Restbestände als auch einen soliden Start in die neue Saison.
Ebenso bestätigt eine kurze Zählung vor und nach einer größeren Aktion, dass der für die Aktion vorgesehene Bestand tatsächlich in der richtigen Menge verwendet wurde. Wie sich saisonale Lagerplanung mit dem Inventurplan abstimmen lässt, behandelt unser Beitrag zur saisonalen Lagerplanung, die Bestandsverwaltung in Aktionszeiten unser Beitrag zur Bestandsplanung für Aktionen.
Wie stellt ein kleines Unternehmen einen Inventurplan auf?
Ein kleines Unternehmen kann seinen Inventurplan mit wenigen einfachen Entscheidungen aufstellen, ganz ohne aufwendige Software oder Beratung. Zunächst werden die Produkte in ABC-Gruppen eingeteilt, danach für jede Gruppe eine Häufigkeit festgelegt, und schließlich wird dieser Plan schriftlich festgehalten und konsequent verfolgt.
- Produkte in ABC-Gruppen einteilen: Ordnen Sie Produkte, die den Großteil des Umsatzes ausmachen, der Gruppe A zu, mittelwertige der Gruppe B, niedrigwertige der Gruppe C.
- Für jede Gruppe eine Häufigkeit festlegen: Gruppe A monatlich, Gruppe B vierteljährlich, Gruppe C ein- bis zweimal im Jahr zählen.
- Den Plan schriftlich festhalten: Machen Sie in einer einfachen Tabelle oder einem Kalender klar sichtbar, welche Produktgruppe in welcher Woche gezählt wird.
- Verantwortliche benennen: Legen Sie klar fest, wer die Zählung an welchem Tag durchführt; Unklarheit führt dazu, dass die Inventur vernachlässigt wird.
- Ergebnisse festhalten und vergleichen: Notieren Sie nach jeder Zählung die Abweichungsquote und erkennen Sie anhand dieser Daten mit der Zeit, welche Produktgruppen häufiger gezählt werden sollten.
Ein Unternehmen, das diese fünf Schritte umsetzt, macht aus der Inventur keine einmal im Jahr anfallende, ermüdende Pflichtübung mehr, sondern verteilt sie in überschaubare Abschnitte über das ganze Jahr — das ist für die Mitarbeitenden weniger belastend und macht die Ergebnisse zugleich zuverlässiger.
Wie erleichtert ein Warenwirtschaftssystem die Inventurhäufigkeit?
Ein Warenwirtschaftssystem kann automatisch festhalten, welche Produktgruppe wann gezählt wurde, und an den nächsten Zähltermin erinnern; das macht es weit praktischer, nach ABC-Gruppe unterschiedliche Häufigkeiten anzuwenden, als dies von Hand zu verfolgen. Bei einer über das System durchgeführten Zählung werden erwartete und gezählte Menge zudem sofort verglichen und die Abweichung automatisch berechnet.
In einem System wie Welda Stock wird die Zählhistorie je Produkt gespeichert, sodass sich im Zeitverlauf nachvollziehen lässt, bei welchem Produkt wie häufig Abweichungen auftreten; ein Produkt mit wiederkehrenden Abweichungen fällt so automatisch als ein Artikel auf, der häufiger gezählt werden sollte. Wenn Sie beim Aufbau und der Pflege Ihrer Inventurdisziplin Unterstützung möchten, kontaktieren Sie uns.
In welche Entscheidungen sollten Inventurergebnisse einfließen?
Inventurergebnisse sollten nicht nur zur 'Korrektur der Buchhaltung' dienen, sondern auch als Grundlage für weitergehende unternehmerische Entscheidungen. Eine Produktgruppe mit wiederkehrenden Abweichungen kann auf ein Problem im Bestellprozess, im Regalaufbau oder in der Erfassungsdisziplin hinweisen.
- Den Bestellprozess überprüfen: Wiederholen sich wareneingangsbedingte Abweichungen, prüfen Sie den Abgleich zwischen Bestellung und Lieferung erneut.
- Regal- und Lagerordnung kontrollieren: Abweichungen, die sich in einem bestimmten Bereich häufen, können auf ein Problem in dessen physischer Ordnung hinweisen.
- Mitarbeiterschulung aktualisieren: Erfassungsfehlerbedingte Abweichungen können auf zusätzlichen Schulungsbedarf im Verkaufs- oder Wareneingangsprozess hinweisen.
- Langsam drehende Produkte neu bewerten: Produkte, die zwar ständig gezählt werden, sich aber nie bewegen, sind womöglich bereits zu totem Bestand geworden.
So betrachtet wird die Inventur nicht nur zu einem Kontrollmechanismus, sondern zu einem regelmäßigen Diagnosewerkzeug für die Gesundheit des gesamten Unternehmens.
Fazit: die richtige Häufigkeit, das richtige Vertrauen
Wie oft Inventur gemacht werden sollte, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten, sondern erfordert einen gestaffelten Ansatz je nach Bedeutung des Produkts. Die jährliche Vollinventur liefert eine allgemeine Prüfung, während die auf der ABC-Analyse basierende zyklische Inventur Abweichungen erkennt, solange sie noch klein sind, und die Ursachenfindung erleichtert. Ein Unternehmen, das beide Methoden gemeinsam, regelmäßig und diszipliniert anwendet, erkennt Bestandsverluste frühzeitig und kann seinen Bestandsdaten wirklich vertrauen; andernfalls bleibt es ein Unternehmen, das jedes Jahr von derselben Überraschung getroffen wird, die Ursache nie ganz findet und seine Entscheidungen auf unzuverlässige Daten stützen muss.