Beim Vergleich von Website-Angeboten sind drei Kriterien am wichtigsten: dass der Umfang im Angebot Posten für Posten schriftlich festgehalten ist, dass Sie beim Vergleich mehrerer Angebote zunächst den Umfang angleichen, und dass der Vertrag Liefertermin, Korrekturrecht und geistiges Eigentum klar regelt. In Deutschland kostet eine mittelgroße Unternehmenswebsite in der Regel 2.000-6.000 €, ein Projekt mit E-Commerce-Infrastruktur 4.000-12.000 €; Angebote deutlich unterhalb dieser Spanne bedeuten meist einen unvollständigen Umfang oder mindere Qualität. In diesem Beitrag zeigen wir, wie Sie ein eingehendes Angebot lesen, zwei Angebote fair vergleichen und welche Klauseln Sie im Vertrag suchen sollten.
Welche Posten in einem guten Angebot stehen sollten
Ein gutes Website-Angebot sollte nicht aus einer einzigen Gesamtsumme bestehen, sondern ein Dokument sein, in dem jeder Posten einzeln bepreist oder zumindest im Umfang klar definiert ist. Prüfen Sie, ob die folgenden Posten im Angebot ausdrücklich aufgeführt sind.
- Seitenzahl und Inhalte: Startseite, Über uns, Leistungen, Blog, Kontakt – jede Seite sollte einzeln aufgelistet sein.
- Designprozess: Wie viele Entwürfe werden vorgelegt, wie viele Korrekturrunden sind enthalten, was kostet eine zusätzliche Korrektur.
- Content- und Bildproduktion: Wer schreibt die Texte, wer liefert Fotos/Bilder, wie ist der Lizenzstatus bei verwendeten Stockbildern.
- Technische Grundlage: Welches System eingesetzt wird (fertiges CMS oder Individualsoftware) und wer für Hosting und Domain verantwortlich ist.
- SEO-Grundlagen: Sind Titel-Tags, eine Sitemap und eine grundlegende Geschwindigkeitsoptimierung in der Einrichtung enthalten.
- Lieferzeit: Eine klare Anzahl an Wochen ab Vertragsunterzeichnung.
- Zahlungsplan: Wie viele Raten, zu welchen Meilensteinen wird gezahlt.
- Support nach Livegang: Wie viele Monate kostenloser Support enthalten sind und was die Wartung danach kostet.
Fehlt einer dieser Posten im Angebot, lassen Sie ihn unbedingt vor der Unterschrift schriftlich ergänzen. "Das haben wir doch mündlich besprochen" bietet im Streitfall keinerlei Schutz.
Ein Posten wird zudem häufig übersehen: die laufenden Kosten für Domain und Hosting. Die Einrichtungsgebühr ist einmalig, doch die Domain kostet in der Regel 10-20 € pro Jahr, das Hosting je nach Umfang 100-300 € pro Jahr – laufende Kosten also. Klären Sie im Angebot unbedingt, ob diese Posten im ersten Jahr enthalten sind und wer sie in den Folgejahren trägt; sonst kann es zu einer bösen Überraschung wie einer abgeschalteten Website wegen ausstehender Verlängerung kommen.
Umfang angleichen beim Vergleich zweier Angebote
Der häufigste Fehler beim Vergleich von Angeboten zweier Agenturen ist, nur auf die Gesamtsumme zu schauen. Enthält ein Angebot jedoch 8 Seiten und 3 Korrekturrunden, das andere 5 Seiten und 1 Korrekturrunde, sind die beiden Angebote gar nicht vergleichbar. Der richtige Weg besteht darin, beide Angebote in dieselbe Umfangstabelle (Seitenzahl, Korrekturrecht, Content-Unterstützung, SEO-Grundlagen, Supportdauer) einzutragen und die Zahlen erst auf dieser angeglichenen Basis zu vergleichen.
Ein Beispiel, das wir häufig in der Praxis sehen: Ein Unternehmer entscheidet sich für ein Angebot über 1.800 € statt für eines über 3.000 €, weil es günstiger wirkt; im günstigeren Angebot fehlen jedoch Texterstellung, Bildproduktion und SEO-Grundlagen. Werden diese fehlenden Posten im weiteren Projektverlauf einzeln bepreist, steigt die Gesamtsumme auf 3.800 € – und die Frist verlängert sich zusätzlich. Ein Vergleich ohne Angleichung des Umfangs erzeugt oft ein trügerisches Gefühl von "Günstigkeit".
Beim Angleichen des Umfangs empfehlen wir folgende Tabelle: Tragen Sie für jedes Angebot Seitenzahl, Korrekturrecht, Content-Unterstützung (ja/nein), SEO-Grundlagen (ja/nein), Lieferzeit und Anzahl der Supportmonate nebeneinander ein. Ist diese Tabelle ausgefüllt, zeigt sich oft, dass das tatsächlich vorteilhaftere Angebot anders ausfällt, als es auf den ersten Blick schien.
Ein einfaches Beispiel: Angenommen, Sie betreiben ein Café und haben zwei Angebote erhalten:
- Angebot A – 2.000 €: 5 Seiten, 1 Korrekturrunde, Inhalte und Bilder vom Kunden, keine SEO-Grundlagen, 1 Monat Support.
- Angebot B – 3.000 €: 6 Seiten, 3 Korrekturrunden, Texterstellung und Bildbearbeitung inklusive, SEO-Grundlagen inklusive, 3 Monate Support.
Auf den ersten Blick wirkt Angebot A um 1.000 € günstiger. Müssen Sie jedoch Texterstellung und SEO-Einrichtung zusätzlich extern beauftragen (diese Leistungen kosten im Schnitt 400-800 € zusätzlich), schrumpft der tatsächliche Unterschied zwischen beiden Angeboten erheblich – zudem sind bei Angebot B 3 Monate Support und drei Korrekturrunden bereits enthalten. Ein Vergleich ohne Berücksichtigung des Umfangs kann, wie in diesem Beispiel, zu einem irreführenden Ergebnis führen.
Warum wird das günstigste Angebot oft am teuersten?
Der Hauptgrund, warum das günstigste Angebot am Ende oft am teuersten wird, ist, dass ein niedriger Preis meist durch einen unvollständigen Umfang, ein unerfahrenes Team oder eine unzureichende technische Grundlage ausgeglichen wird. Alle drei Faktoren führen im weiteren Projektverlauf zu zusätzlichen Kosten, Verzögerungen oder der Notwendigkeit einer Neuerstellung.
Ist in einem günstigen Angebot beispielsweise die Geschwindigkeitsoptimierung und der mobile Test ausgeklammert, kann die Website nach dem Livegang langsam laden oder auf dem Smartphone fehlerhaft aussehen. Um das zu beheben, zahlen Sie entweder derselben Agentur einen Aufpreis oder beauftragen ein anderes Team von Grund auf; in beiden Fällen geben Sie ein Vielfaches der anfänglich "gesparten" Summe aus. Wie entscheidend die Geschwindigkeit einer Website ist, erläutern wir ausführlich in unserem Beitrag Website-Geschwindigkeit und Core Web Vitals.
Zudem stammen günstige Angebote oft von unerfahrenen oder neu gegründeten Teams, deren Projektmanagement und Support-Prozesse nach der Übergabe noch nicht ausgereift sind. Verstehen Sie das nicht falsch: Nicht jedes günstige Angebot ist schlecht, aber liegt der Preis deutlich unter dem Marktdurchschnitt, sollten Sie Umfang und Erfahrung des Teams doppelt genau hinterfragen. Alle preisbestimmenden Faktoren im Detail finden Sie in unserem Leitfaden Website-Preise und -Kosten.
Wie klar ist der technische Umfang im Angebot definiert?
Ein beim Bewerten eines Website-Angebots häufig übersehener Punkt ist, ob das Projekt mit einem fertigen Content-Management-System oder mit Individualsoftware umgesetzt wird. Diese Unterscheidung wirkt sich sowohl auf den Preis als auch darauf aus, wie schnell und günstig Sie später eine zusätzliche Funktion hinzufügen können. Haben Sie besondere Anforderungen wie ein Terminsystem, eine Lagerintegration oder individuelle Berechnungswerkzeuge, sollte im Angebot klar stehen, mit welcher Technologie dieser Teil umgesetzt wird. Diese Unterscheidung und wann welche Variante sinnvoll ist, behandeln wir ausführlich in unserem Beitrag Was ist Individualsoftware, und wann braucht man sie.
Fehlt diese Klarheit im Angebot, fragen Sie unbedingt nach, welcher Zahlungsanbieter, welche Versandintegration und welche Methode zur Lagerabgleichung hinter einer allgemeinen Formulierung wie "E-Commerce-Integration inklusive" steckt. Allgemeine Formulierungen können sich bei der Übergabe schnell zur Überraschung "diese Integration ist kostenpflichtig" entwickeln.
Klauseln, die im Vertrag stehen sollten
Nach Annahme des Angebots ist der zu unterzeichnende Vertrag die eigentliche Absicherung Ihres Projekts. Die folgenden vier Klauseln sollten in jedem Website-Vertrag enthalten sein.
Liefertermin und Verzugsregelung
Im Vertrag sollten ein klarer Liefertermin und die Folgen einer Überschreitung (etwa ein bestimmter Nachlass pro Verzugstag oder ein Rücktrittsrecht) festgehalten sein. Ein vages "ungefähres" Datum öffnet die Tür für eine endlose Verlängerung des Projekts.
Korrekturrecht
Wie viele Korrekturrunden enthalten sind und in welcher Phase (Design, Inhalt, nach Übergabe) sie gelten, sollte klar geregelt sein. Andernfalls wiederholt sich die Diskussion "Zählt das noch als Korrektur?" in jeder Projektphase.
Geistiges Eigentum und Übertragung des Quellcodes
Nach vollständiger Bezahlung des Projekts sollte im Vertrag stehen, dass der Website-Code, die Designdateien und der Zugang zum Content-Management-Panel vollständig auf Sie übertragen werden. Ohne diese Klausel können Sie Ihre Website möglicherweise nicht zu einem anderen Team umziehen, wenn die Zusammenarbeit mit der Agentur endet.
Datenschutz und DSGVO-Konformität
Im Vertrag sollte festgehalten sein, dass auf Ihrer Website erhobene Kundendaten (Kontaktformular, Newsletter-Anmeldung) DSGVO-konform verarbeitet werden und dass die Agentur die während des Projekts zugänglichen Daten vertraulich behandelt. Dies ist sowohl für Ihre rechtliche Pflicht als auch für das Vertrauen Ihrer Kunden von Bedeutung.
Garantie und Fehlerbehebungsfrist
Für technische Fehler, die nach dem Livegang auftreten (ein nicht funktionierendes Formular, eine fehlerhaft dargestellte Seite), sollte eine kostenlose Korrekturfrist definiert sein. Üblich am Markt ist, solche Fehler innerhalb von 30-60 Tagen nach Übergabe kostenlos zu beheben. Diese Klausel verhindert eine Haltung nach dem Motto "Projekt ist fertig, das ist jetzt Ihr Problem".
Wie werden Fristen- und Umfangsänderungen im Angebot geregelt?
Während des Projekts möchten Sie den Umfang möglicherweise ändern – etwa eine ursprünglich nicht geplante Seite hinzufügen oder eine Integration nachträglich einbauen. Ein gutes Angebot und ein guter Vertrag legen im Voraus fest, wie solche Änderungswünsche bepreist und freigegeben werden. Andernfalls entsteht bei jeder kleinen Änderung die Diskussion "Ist das zusätzlich zu bezahlen oder im Umfang enthalten?", und der Projektzeitplan wird unklar.
Die konkrete Formulierung, nach der Sie hier suchen sollten, lautet: "Jede Anforderung außerhalb des ursprünglichen Umfangs wird nach Ihrer schriftlichen Freigabe gesondert bepreist, und der Liefertermin wird entsprechend angepasst." Dieser Satz schützt beide Seiten – Sie erleben keine überraschende Rechnung, und die Agentur muss keine kostenlose Arbeit leisten.
Übliche Zahlungspläne
Ein üblicher und ausgewogener Zahlungsplan für Website-Projekte sieht 40 % zu Projektbeginn und die restlichen 60 % aufgeteilt auf Designfreigabe und Übergabe vor. Manche Agenturen teilen dies 50/50 oder in drei gleiche Raten (Start, Zwischenphase, Übergabe) auf; entscheidend ist, dass keine Seite das gesamte Risiko allein trägt.
Seien Sie vorsichtig bei einem Angebot, das die volle Zahlung im Voraus verlangt; bleibt das Projekt auf halbem Weg stecken, haben Sie keinerlei Absicherung mehr. Ebenso kann ein Plan, bei dem die volle Summe erst bei Übergabe fällig ist, für die Agentur nicht tragbar sein, weshalb solche Angebote meist nicht ernst genommen werden. Ein ausgewogener Zahlungsplan sorgt dafür, dass beide Seiten gleichermaßen an das Projekt gebunden bleiben.
Wie geht es nach Erhalt des Angebots weiter?
Statt sofort zu unterschreiben, prüfen Sie die oben genannten Posten, fragen Sie fehlende Punkte schriftlich nach und vergleichen Sie das Angebot nach Möglichkeit mit einem zweiten. Den gesamten Auswahlprozess einer Agentur, inklusive Bewertung von Portfolio und Referenzen, beschreiben wir in unserem Beitrag Wie wählt man eine Webdesign-Agentur aus. Welche Fragen Sie schon vor dem Angebot stellen sollten, finden Sie in unserem Beitrag 15 Fragen an Ihre Webagentur.
Fazit: Umfang und Vertrag zählen, nicht die Zahl
Bei der Bewertung eines Website-Angebots lautet die richtige Frage nicht "Welches ist am günstigsten?", sondern "Welches bietet den klarsten Umfang und den sichersten Vertrag?". Ein Angebot mit klar aufgeschlüsselten Posten, ein Vergleich auf Basis angeglichenen Umfangs sowie ein Vertrag, der Liefertermin, Korrekturrecht, geistiges Eigentum und Datenschutz eindeutig regelt – das sind die vier Grundpfeiler, die Ihr Projekt von Anfang an absichern.
Bei Welda legen wir in jedem Angebot diese Posten klar und schriftlich offen. Für ein auf Ihren Umfang zugeschnittenes Angebot werfen Sie einen Blick auf unsere Leistung Webdesign und -entwicklung und nehmen Sie Kontakt mit uns auf für ein kostenloses Erstgespräch.